Konjunkturprogramme sorgen in Europa für Aufwind

Während sich die globale Konjunktur uneinheitlich entwickelt, sendet Europa positive Signale. Die Finanzmärkte reagieren bereits.

2. April 2025

Ausgabenprogramme sorgen in Europa für Aufwind

Auch wenn die Konjunkturpakete im laufenden Jahr noch wenig Einfluss auf die Wirtschaft haben werden, entfalten sie bereits eine psychologische Wirkung. (Bild: ChatGPT 4o (KI))

Zu Beginn des zweiten Quartals 2025 zeigt sich die konjunkturelle Grosswetterlage weitgehend unverändert. Während die Detailhandelsumsätze und andere Wirtschaftsindikatoren zum privaten Konsum tendenziell positiv überraschen können, zeigen die Konjunkturindikatoren aus dem Industriesektor Abkühlungstendenzen. Angesichts der anhaltend hohen Zinsen in weiten Teilen der Welt und der querbeet unveränderten Arbeitslosenzahlen kann dies wenig überraschen.

Ein dominierendes Thema bleiben aber die Äusserungen und Aktivitäten der Administration Trump und der sich in der Folge ergebenden Reaktionen aus dem Rest der Welt. Besonders gut lässt sich dies weiterhin am Thema der angedachten Zollpolitik der USA darstellen. Beinahe kein Tag vergeht, ohne dass es in dieser Angelegenheit zu einer Vielzahl von neuen Wortmeldungen kommt.

Kalkül oder Sachzwänge?

Dies mag einerseits mit der Bedeutung zusammenhängen, die dieses Thema für beinahe alle Volkswirtschaften hat. Mit Sicherheit hängt dies aber auch mit den permanent ändernden Vorgaben oder Rahmenbedingungen der Regierung Trump zusammen – Ausmass, Höhe und Zeitpunkt der Einführung dieser Zölle sind nämlich momentan alles andere als fix.

Ob diese Entwicklung politisches Kalkül darstellt oder einfach die Folgen einer Reihe von Sachzwängen sind, lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht abschliessend beurteilen. Tatsache ist aber, dass sich die grössten und damit wichtigsten Handelspartner der USA zunehmend damit auseinandersetzen müssen, dass sich diese Handelsschranken mit den USA vermehrt aufbauen werden. Was die Implikationen der Zollpolitik für die US-Wirtschaft sein dürften, wurde in den letzten Monaten an dieser Stelle wiederholt ausgeführt. Genauso relevant ist für die Wirtschaft der Schweiz aber die Entwicklung im Rest der Welt und insbesondere in Europa.

Dabei lässt sich festhalten, dass die wesentlichen Akteure der europäischen Politik angesichts der Gemengenlage in den USA schnell aktiv wurden. Konkret wurden rund um Europa und insbesondere in Deutschland grosse fiskalische Stimulus-Pakete für die kommenden Jahre beschlossen. Auch wenn diese für das laufende Jahr wohl noch wenig Einfluss auf die Wirtschaft haben werden, ist deren psychologische Wirkung bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vernachlässigbar. Auch ist davon auszugehen, dass neben den direkten Ausgaben auch die Folgeeffekte für die Wirtschaft substanziell ausfallen werden. Diese dürften wohl im Falle des beschlossenen deutschen Infrastrukturpaketes von rund EUR 500 Mia. grösser ausfallen als für das ebenfalls beschlossene gigantische gesamteuropäische Ausgabenpaket von EUR 8000 Mia. für Verteidigungsausgaben. Bereits die schiere Grösse dieser Zahlen können konkret als positives Wirtschaftswachstum für die Folgejahre 2026 und 2027 in Europa hochgerechnet werden. Sie dürften zumindest in den kommenden Jahren die Unsicherheiten, die sich aus dem Handelsstreit mit den USA ergeben überkompensieren.

Grafik Leitartikel (3)

Net Return Index (indexiert (100=01.01.2025)): Während Europas Börse seit Anfang 2025 um rund 10 Prozent zugelegt hat, ist der US-Aktienindex S&P 500 in der gleichen Zeit um fünf Prozent in die Knie gegangen. (Quelle: Bloomberg/Grafik: HBL Asset Management, Daten per 28.03.2025)

Erste Auswirkungen der angedachten Politik lassen sich bereits in den letzten Stimmungsindikatoren ersehen. So haben sich die zuletzt chronisch tiefen Stimmungsindikatoren der privaten Konsumenten aber auch der Unternehmen im letzten Monat von ihren Tiefstständen lösen können. Selbstverständlich ist es noch zu früh, um hier von einem neuen Trend zu sprechen. Die ersten Anzeichen sind aber mit Sicherheit positiv. Im Gegenzug dazu sind die entsprechenden Stimmungsindikatoren in den USA in den letzten Wochen unter Druck geraten.

Auch die internationalen Kapitalmärkte beurteilen die Aussichten für europäische Unternehmen zuletzt wieder deutlich freundlicher. So konnten seit Beginn dieses Jahres die europäischen Aktienmärkte in der Summe deutliche Kursgewinne verzeichnen, während die US-Aktienmärkte zuletzt nicht auf Touren gekommen sind und zum Teil herbe Kursverluste verzeichnen mussten.

Ganz anders sieht es demgegenüber bei den europäischen Substanzwerten aus. Diese konnten seit dem 1. Januar 2025 in der Summe über 10 Prozent an Wert zulegen. Dies lässt sich auch sehr eindrücklich an den Kursgewinnen der SMI-Schwergewichte – Nestlé, Roche und Novartis – darstellen. Auch diese Titel konnten substanziell an Wert zulegen und in den Vorjahren verlorenes Terrain wieder gutmachen. Ganz im Gegensatz dazu steht die Entwicklung bei den Obligationenanlagen in Europa. Aufgrund des gestiegenen Finanzierungsbedarfs auf Staatsebene sind die Preise für EUR-Staatspapiere unter Druck geraten. Der damit verbundene Zinsanstieg resultierte in einer steileren Zinskurve nicht zuletzt für deutsche Bund-Anlagen.

Auch wenn diese Trends an den internationalen Finanzmärkten in der Zukunft noch anhalten, haben diese in den letzten Wochen bereits einen grossen Teil dieser neuen Informationen verarbeitet. Weitere Anpassungen dürften weniger ausgeprägt ausfallen.

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